Ja jetzt gibts als Entschädigung für die kommenden Wochen echt fette Eintragsentschädigung vorab mit dem 3ten Blog innerhalb einer Woche. Aber diesmal ist es mal wieder etwas das Fremde denken lässt “Hey das is doch keine Suizid-Blog”.
Es ist Ostern in Tansania. Ich lebe mit Glaubensleuten zusammen. Ergo werden vllt. Geburtstage nicht so groß gefeiert aber man sollte doch annehmen das, dass größte Kirchenfest von katholischen Priestern und Schwestern so richtig gefeiert wird. Wird es auch, aber dazu komme ich erst noch…
Vorgänger von mir haben mir berichtet wie unglaublich doch Ostern zelebriert wird im katholisch gläubigen Teil der Bevölkerung Tansania’s. Hatte also gewisse Erwartungen als ich am Samstag in die Abendmesse um 22:15 Uhr ging ging. Die Messe selbst dauerte sage und schreibe 3 1/2 Stunden. Ich bin eh kein Fan von so was aber wenn man dann auch nur 20 % von dem versteht was gesprochen wird, ist es eine echte Geduldsprobe sitzen zu bleiben. Bin schon ab und an mal unter der Messe heimlich verschwunden zuvor. Ist ja an sich kein Problem… im Normalfall. Aber der Normalfall ist ja nicht, dass man mit dem Pfarrer und den Mitbrüdern eine Art WG-Haushalt teilt.
Jedenfalls bin ich während dieser ewig langen Samstagsmesse nicht verschwunden. Was wohl daran liegt das uns ein Kardinal aus Rom besucht hat und ich einfach mal keine Lust hatte meine Aktion sowie meine komplizierte Einstellung zu jeglichem religiösen Glauben zu erklären.
Nach der Messe ging’s also um ca. 01:45 Uhr in’s gemeinsame Wohnzimmer, wo noch ein bisschen was mit den Brüdern, dem Kardinal und den Schwestern getrunken werden sollte. Ja mehr wurde es auch wirklich nicht. Ich habe zum wiederholten male ein Cola-Weizen für mich selbst “gemixt” und nach wie vor keine Anhänger unter den Glaubensmenschen gefunden. Dann wurde kräftig mit allen angestoßen und nachdem sich nach der ersten Runde schon die Hälfte der Anwesenden zum “schlafen gehen” entschuldigt hatte, ging auch ich bald auf mein Zimmer.
Nächster Tag, Sonntag:
Ostersonntag stand eine Messe um 9 Uhr Morgens an. Ich habe Ausnahmsweise innerhalb einer Woche tatsächlich auch an dieser (und somit an zwei Messen !!!) teilgenommen. Meine Hauptmotivation war allerdings die erste öffentliche “Vorführung” meines maßgeschneiderten Anzugs (Ja auch Mann kann mal eitel sein ohne Snobb oder homosexuell zu sein).
Damit war für mich der Sinn einer erneuten (diesmal 2 1/2 Stunden) Messe gefunden weil ich so erst meinem Schneider zeigen konnte ob mir der Anzug gefällt. An diesem Morgen ist allerdings auch nichts weiter großartiges passiert. Zum Mittagessen wurde man bei einem der 3 Schwesternorden eingeladen und damit verlief der Tag auch schon wieder im Sande. Wirklich üüüberhaupt nichts Ausergewöhnliches. Doch dann kam Montag…
Montag:
Der Tag fing schon sehr angenehm damit an, dass ich nicht früh aufstehen musste um der Messe beiwohnen zu können. Es wurde also ausgiebig durchs Bett ans Mosquitonetz gestreckt und gedöst. Dann gings noch vor Ende der Messe an den Küchentisch und es wurde reichlich Brot mit Butter rein gestopft (ja mehr gibts nicht). So weit so gut aber auch wie jeder gewöhnliche Feiertag im Dorf.
Gegen 11:30 Uhr klopft es an meiner Zimmertür und als ich den Streifen “There will be blood” pausiert und die Tür geöffnet habe, teilt mir der Father nur kurz mit, dass wir dann für 12:15 Uhr zum Mittagessen auswärts bei einer Familie eingeladen sind.
Bisher war so was zwar immer interessant aber nicht gerade reich an unvergesslichen Abenteuern. Pünktlich um 12:15 Uhr stehe ich aber im Wohnzimmer und warte auf die Anderen. Um 12:30 Uhr sind sie dann mit, für tansanische Verhältnisse, KEINERLEI Verspätung auch alle da. Allerdings teilt man mir mit da sman noch warten muss weil auch eine Schwester mitfahren will. ……….
Auch wenn ich damit jetzt als Sexist oder Klischeedenker da stehe aber eines stimmt für mich wirklich… egal welches Land, egal welche Berufsgruppe, egal was für ein sozialer Status, egal welcher Anlass…. Frauen sind IMMER zu spät wenn man eine feste Zeit ausmacht.
Spätestens nachdem eine Nonne in Afrika es nicht auf die Reihe kriegt pünktlich zu sein, obwohl sich Fragen über die Kleiderwahl, den Babysitter und das Make up von selbst erledigen, steht das für mich fest.
Nachdem die Nonne dann um 13 Uhr auftaucht geht’s nur wenige Kilometer entfernt vom Haus der Salvatorianer ein paar hundert Meter Querfeld ein, wo ich dann ein Haus erblicke welches ich so in meinem Dorf noch nie zuvor gesehen habe. Die Architektur ist wie bei allen anderen Gebäuden auch hier nicht außergewöhnlich doch für durchschnittliche tansaniasche Verhältnisse PURER LUXUS. Was sind Luxusaspekte bei einem ländlichen Gebäude in Tansania?
- Mauern bestehen aus Backsteinen und nicht aus Lehm und einem einfachen Holzgerüst aus dünnen Ästen.
- Dächer bestehen aus Wellblech und nicht aus Gestrüpp und Stroh
- Es gibt Fensterscheiben und Moskitonetze in jedem Fenster
- Das Haus wird verputzt und bekommt einen Anstrich
- Es gibt Türen und diese sind mit Schlössern bestückt
- Es finden sich Bauelemente die nicht statisch nötig sind sondern rein der optischen Verschönerung zu zuschreiben sind
- Das Gebäude besteht nicht aus einem einzigen großen Raum in dem geschlafen, gelebt und gegessen wird
Dieses Haus besitzt alle diese Merkmale und ist wirklich groß. Nach einer kleinen Ansprache hinterm Haus habe ich gemerkt, dass hier nicht nur Pfarrer und restliche Salvatorianer zu Tisch gebeten wurden. Eine gesamter Familienstammbaum ist hier versammelt. Von entfernten Cousins bis zur Ur-Oma ist alles vertreten. Aber es scheinen auch Leute ohne Blutsverwandschaftsstatus an diesem Osterfeiertag zum Haus der mir unbekannten Familie gefunden zu haben. Wie so oft werden der Pfarrer, die Brüder und Ich einzeln vorgestellt. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt aufzustehen und mich mit ein paar Grußformeln an die Menge zu wenden.
Danach wird am Buffet ordentlich Futter aufgeladen welches dann im luxuriös eingerichtetem Haus verputzt wird. Während des Essen begutachte ich die anderen Gäste ein wenig mehr und stelle ihrem Outfit nach zu urteilen fest das diese Familie wirklich mit den liquiden Leuten in und um Mkuranga herum verkehrt. Bisher hatte ich den Eindruck, dass im Dorf wirklich so gut wie keiner zum Mittelstand gehört da das allgemeine Zentrum mit seinen Häusern eher ärmlich ist. Wie ich nun aber lerne sind die besser Verdienenden einfach ein wenig abseits vom Dorfkern angesiedelt und sie existieren. Fest steht zwar das die Masse der Gemeinde sich von Reis und Bohnen ohne Strom in einer Lehmhütte ernährt doch es gibt auch Menschen die so viel Geld haben, dass sie ihr Haus abseits des Stromnetzes bauen und dafür aber den Generator 16 Stunden am Tag laufen lassen. Man lernt nie aus.
Nach dem Essen verziehen sich die zwei Brüder, der Pfarrer, die Schwester und ich fast ein bisschen wie die “Coolen im Club” auf die Veranda und es wird sich abseits vom Bierkonsum lebhaft unterhalten. Nach einigen Stunden und je 4 Flaschen Bier (Halber Liter je Flasche bei “normalen” 4,8 % Alkohol) für jeden der Priester(Ich und die Schwester blieben bei Wasser und Soda) verabschieden wir uns vom Gastgeber welcher sich nach meiner Anfrage diesen Lebensstil scheinbar leisten kann weil er für den Staat arbeitet.
Es ist gerade mal 5 Uhr Nachmittags und doch wurde schon ganz nett gefeiert. Ich habe keine Ahnung von den weiteren Plänen und glaube schon das es zurück nach Hause geht doch dann biegen wir zurück im Dorfkern plötzlich links ab und nach einiger Zeit wieder rechts. Schließlich halten wir abermals vor einem Gebäude das der ländlichen Luxusvariante entspricht allerdings deutlich kleiner ist als das des Staatsbeamten. Hier werden wir von einem älteren Ehepaar und deren 5 Kindern (4 Söhne und eine Tochter, allesamt zwischen 17 und 24 würde ich schätzen) begrüßt und gebeten doch nur für “einen kleinen Plausch” mit rein zu schauen.
Eine Stunde später sitzen wir immer noch auf den gemütlichen Lederimitatsofa’s verteilt während ich an meiner ersten Flasche Bier für heute schlürfe und jeder der Salvi’s vor der jeweils 6ten sitzt. Die Anspannung eines Mitbruder fällt besonders aber wie er mir selbst berichtet.
“Ach Christopher weißt du das ist jetzt wirklich Ostern für mich (schwingt langsam den Arm durch den Raum). Die letzten Tage nur Stress mit dem Kardinalsbesuch und so vielen Messen. Heute ist erst der erste richtige Urlaubstag für mich in der Osterzeit”
Ich grinse und freue mich für ihn. In den folgenden Stunden finden lustige Konversationen statt und vllt. mag es dem Bier geschuldet sein aber ich konnte mich selten zuvor mit meinem bescheidenem Kiswahili und ein wenige Englisch sooo stark an einer Gesprächsrunde in Tansania beteiligen. Ich war in der Lage Witze zu machen (was mir mit reinem Kiswahili bisher nicht möglich war) und verstand den Großteil der einzelnen Aussagen schon bevor jemand freundlicher Weiße für mich übersetzte. Schließlich stößt noch ein anderer Father der Salvatorianer aus einer Nachbargemeinde dazu. Er ist mit dem Auto auf der Durchreise um den Feiertag in einer Nachbargemeinde zu verbringen. Das hält ihn jedoch an diesem besonderen Festtag auch nicht davon ab geschätzte 4 Flaschen Bier zu trinken, während sich “meine Brüder” schließlich fleißig bis zur jeweils unglaublichen 9ten Flasche durch kämpfen. Ich selbst habe insgesamt nur 2 Biere bisher getrunken weil ich einfach der Weinmensch bin. Doch ich bin wie jeder andere ausgelassen und habe einen der schönsten Abende im Lande bisher. Die Geselligkeit ist nicht zu toppen und ich lache aus vollem Hals als mir der Bruder dessen Anspannung nach eigenen Angaben heute endlich abfällt mitteilt, dass er sich bei der kommenden Flasche gar nicht mehr sicher ist ob er noch im einstelligen Bereich trinkt. Ob er damit Promille oder Flaschenanzahl meint ist mir einerlei und wir schütteln uns alle nur noch bis die Dame des Hauses schließlich eine große silberne Platte in die Mitte stellt auf der ein Berg aus kleinen gebratenen Fleischstückchen umrundet von Kochbananen thront. Dann geht die Köchin einmal mit einer kleinen Schale und einer Kanne um den Tisch herum. So wäscht sich jeder die Hände mit dem heißen Seifenwasser das auf die Hände und dann in die Schale fließt während die Konversation nicht eine Sekunde stockt.
Dann wird die Gemütlichkeit doch echt ein weiteres mal auf eine neues Level gehoben für mich. Wir sitzen da alle, ein jeder ordentlich angetrunken (ja bei mir reichen 2 Flaschen wenns um Bier geht) während man sich mit den Händen bei der silbernen Platte bedient und schon zwei der Brüder nicht mehr von Oster- sondern Weihnachtsfeiertagen ausgehen.
Es ist gerade mal 8 Uhr als wir diese zweite “Party-Location” verlassen aber es kommt mir wegen wie üblich vollkommener Dunkelheit aber diesmal vor allem dem stundenlangen feiern vor wie 1 Uhr morgens. Der Gast-Pfarrer und der Mitbruder der seinen heutigen Bierkonsum nicht mehr mathematisch verarbeiten konnte beschließen spontan noch heute Nacht zusammen in die Nachbargemeinde 2 Autostunden entfernt zu fahren. Davon sind sie nicht abzubringen und so bleibt uns nichts weiter übrig als ihnen “Safari njema (Gute Reise)” zu wünschen und ihnen zu raten “Twende pole pole (Fahrt langsam)”. Ich rechne nun aber fest mit der Fahrt nach Hause doch als uns einer der Söhne, mit dem Auto zurück auf der Hauptstraße, nicht Richtung Kirche sondern Richtung Dorfkern fährt ist mir klar das noch wenigstens eine 3te und letzte Feierstätte aufgesucht werden muss.
Wir halten vor einem kleinen Saal den sich der Kirchenchor für eine private Feier angemietet hat. Ich nehme zusammen mit dem Pfarrer, der Schwester und dem verbleibenden Mitbruder vorne am Ehrentisch Platz und muss allerdings nach der 3ten Flasche Bier dem Father mitteilen das ich um 9 Uhr an meinem Computer sitzen muss weil ich versprochen habe für jemanden online zu sein. Nach dem ich abermals ein paar Grußformeln in Form einer “Rede” an den Kirchenchor richte bin ich entlassen und der Sohn unseres zweiten Gastgebers fährt mich nach Hause
Was für eine Nacht… und eigentlich ist es gerade mal 10 Uhr als ich angefangen habe das hier zu schreiben.
greetings from apoc @ Tonight`s the kind of night by Noah and the Whale
Hallo apoc,
großartiger Bericht, ist wirklich Wert veröffentlicht zu werden, ohne die Slavatorianern namentlich in ihrer Trinkfestigkeit zu nahe treten zu wollen. Bitte weiterleiten an Welt am Sonntag und/oder Süddeutsche Zeitung.
Guter journalistischer Stil!
Grüße aus Bad Füssing nach Tansania
siwi
Geschrieben von siwi | 26. April 2011, 21:33lol. ne nich wirklich. will das auch gar nich. dafuer is der blog da. damit man durch die masse der berichte sich n bild von “MEINEM” und nicht “DEM” Tanzania machen kann wie es is. durch die anderen berichte steht das in nem kontext den es verliert wenns irgendwo in ne zeitung kommen wuerde. hab da keinen bock drauf. aber danke :)
Geschrieben von apoc | 27. April 2011, 15:39