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everything between sweet and sour, me - myself- I - apoc

apoc 2.0

BAMM! Mit absoluter Lichtgeschwindigkeit ist mein Milleniumfalke nun, größtenteils ohne Blessuren,in die bekannte Alltags-Galaxie zurück gekehrt. Es scheint mir selbst so als ob ich mich fast mit sofortiger Wirkung wieder in den Euro-Alltag hineingelebt hätte. Das geschah wohl so weil einfach unheimlich viel auf einen einstürzt, vom ersten Tag an.

Die ersten paar Tage wurde einfach nur “im Bademantel zu Mittag gegessen” aber dann aus dem Nichts taten sich Fragen auf. Hauptsächlich finanzieller & gesetzlicher Natur waren diese gerade deswegen so unglaublich förderlich für das persönliche “Ich bin schon wieder total gestresst”-Barometer. Die einzigen Gedanken die ich mir bewusst machte, rankten sich um die Themen “Nebenjob finden um Geld für das Studentenleben zusammen zu bekommen”, “Planen einer Wiedersehensfeier” & “Räum deine Adressbücher auf im Zuge des ‘Persönlichen Umgang mit Mitmenschen, in Bezug auf Ehrlichkeit, neu erleben’-Programms”.
Doch Vater Staat und auch die leiblichen Eltern machen einem schön und schnell nen Strich durch die Rechnung wenn man den wieder neuen Alltag wie guten Wein erst mal atmen lassen will.

In punkto Nebenjob ging es flott vorwärts weil sich kurzfristig eine Stelle als Empfangsmitarbeiter in einem 4-Sterne Hotel ergab. Im Zuge dessen muss ich natürlich jetzt für 8 – 9 Stunden täglich die neu gewonnene Tanzania-Garderobe fast gänzlich auf die erworbenen Anzüge reduzieren. Doch auch das bringt wieder Neues mit sich. Der Umgang der Menschen im Alltag mit mir (nicht die Hotelgäste muss man dazu sagen) ist gänzlich anders. Man mus Barney Stinson (How I met your mother) schon irgendwie recht geben wenn er meint das sich ganz neue Facetten im Leben auftun. Ganz banal kann man auch “Kleider machen Leute” unterschreiben. Beispiele dafür…

Seit 4 Wochen laufe ich nun in Anzügen durch die Gegend und auch wenn sich das nur auf die knapp 2 Kilometer Wanderung zum Arbeitsplatz jeden morgen bezieht so widerfahre ich auf eben jenen 1800 Metern Sonderbares. Ich wurde in den ERSTEN 5 TAGEN viermal nach dem Weg gefragt. Zum Vergleich: Ich wurde in meinem ganzen Leben gefühlte 5 – 6 mal wegen Navigationsauskünften befragt. Doch die Leute lernten gleich das souveränes Äußeres nichts mit Wissen zu tun hat. Mein geografisches Wissen ist wegen Desinteresse verkümmert geblieben so das ich bis heute nicht einmal 5 Straßennamen aus meiner Umgebung nennen kann, meine eigene Adresse ausgenommen. So musste ich auch diesen 4 Fragenquatschern wahrheitsgemäß und in klarem Hochdeutsch antworten: “Oh tut mir leid ich bin selbst nur zu Gast hier und erkunde zwischen meinen Geschäftsmeetings die Gegend einfach mal auf eigene Faust.”

Der Serösbarometer schlägt natürlich auch ziemlich hoch bei einem Anzugträger für die Leute. So habe ich festgestellt das mein Sarkasmus bzw. meine trockene Art dumme Sprüche zu klopfen zu 200% mehr Verwirrungen und Missverständnisse der besonders schönen Art hervor rufen. Auf der anderen Seite nehmen einen aber auch wieder eine ganze Hand voll Urbayern überhaupt nicht mehr für voll weil man ja Schlipsträger(welchen ich bisher aber nicht mal trage) ist und jetzt automatisch gar nichts mehr kann “das mehr Kraft erfordert als einen Kugelschreiber zu halten”.

Den größten Vorteil den ich überhaupt aus meinem Aufzug ziehe ist allerdings das ich für die Leute, jene die American Psycho nicht so oft gesehen haben, so vertrauenerweckend/harmlos wirke, dass SIE -> MICH auf meinem Wanderweg ansprechen und fragen ob sie mich nicht ein Stück mitnehmen können. Das geht soweit das mir eine Frau gleich nach dem ich einstieg das Angebot unterbreitet hat mich nun jeden Tag mitzunehmen das sie auch in etwa in meine Richtung muss wenn sie zu ihrer Arbeitsstelle fährt. Ich laufe gerne und viel in der Gegend rum aber bisher hatte mich noch nie jemand gefragt ob er mich irgendwo hin mitnehmen soll wenn ich an Straßen entlang lief.

So schlendere ich nun eben jeden Tag über die hügelige Landstraße vorbei an Feldern mit Kühen, wo mir dann schon öfter der Gedanke kam so eine Art “Reicher Pinkel Masai” zu sein da ich zwar Anzug trage aber doch immer meinen rot-schwarz karierten Beutel, genäht aus Masaidecke, mit mir rumtrage.

Ich habe auf Grund eines immer noch fehlenden Führerscheins nur die Möglichkeit den Spätdienst im Hotel auszuüben, da so bereits Busse fahren die mich relativ nah zu meiner Arbeitsstelle hin transportieren. Ich mag das ohnehin sehr gerne. Wenn ich dann abends durchs vollkommen stille Hotel gehe, Türen abschließe, Sicherungen rausdrehe und im SPA-Bereich den durchnässten Duschbereich etwas mit dem Schruber angehe um die Fluten eher in den Gulli zu bewegen als an die Sohlen der Hausmädchen vom nächsten Tag, wirkt Tansania schon sehr unwirklich. Gute Hotels spiegeln ja ohnehin schon eine Art der Reinlichkeit und des Luxus wieder den man im Alltag nur dann findet wenn man beim Autohändler sich aus Spaß in teure Kutschen setzt. Um so stärker ist für mich nun der Kontrast zu meinem Leben in Tansania. Dort kocht man sein Trinkwasser aus der Leitung grundsätzlich ab auf Grund von Viren, hier im Hotel beschweren sich die Leute wenn in ihrer Minibar nur Wasser mit Kohlensäure nicht aber stilles vorzufinden ist.

Das einzige wofür ich mir abseits des Hotel willentlich Zeit nehme ist diese Sache mit den geklärten Verhältnissen. Nachdem ich in Tansania so intensiv und auch schmerzhaft meine ganz eigene Definition von Freundschaft, Liebe & Familie kennen gelernt habe, will und darf ich jetzt nicht in Mühseligkeit versinken. Ich erinnere mich jeden Tag bewusst an die Dinge die ich dort empfunden habe und nun versuche ich dem Fazit das diese Dinge aufgezeigt haben treu zu bleiben. Es gelingt mir bisher, zur eigenen vollen Zufriedenheit, sehr gut diese gedachte Konsequenz von damals auch wirklich zu leben. Dieses handeln begann schon in Tansania, so das ich nun bereits wenige Wochen nach meiner physischen Rückkehr schon “in aller Munde bin” was meine psychischen Aktionen in Deutschland angeht. Das klingt arg bescheuert und was ich damit meine ist schlicht und ergreifend das meine Handlungen selbst bei Leuten angekommen sind die sie gar nicht betreffen. Das so mitzubekommen war schon sehr amüsant und interessant für mich. Da jene Leute mit denen ich das soziale Miteinander schon “geklärt” hatte jene waren bei denen ich mir relativ sicher war schon lange aus den Gedanken verschwunden zu sein bzw. nicht dachte dort je existiert zu haben. Aber radikales Verhalten bleibt selbst wenn es sich nur in, für die Öffentlichkeit, vollkommen belanglosen Aktionen manifestiert nicht unbemerkt wie es scheint…

…und auch wenn einige meiner Taten nun in Gänze keinen einzigen Sympathisanten anziehen, fühle ich mich doch verstandener als je zuvor. Weil ich wirklich das ändere bisher, was ich ändern wollte. Bleibt abzuwarten welchen Einfluss die lähmende einlullende Kraft des deutschen Alltags darauf hat.

greetings from apoc @ I against I by Massive Attack

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